Über Sylvio Arndt


Wer ist Sylvio Arndt? Wie ich wurde, wer ich bin.

Wie alles begann: Ein glücklicher Streber

Mein Leben begann, als ich am 23.03.1969 in Weißwasser geboren wurde. Empfangen wurde ich von meiner liebevollen Mutter, die heute noch gern die Geschichte erzählt, wie sie hochschwanger ihre Prüfung zur Kosmetikerin ablegte und den wertvollen Rat erhielt: „Regen Se sich bloß nicht auf, sonst bekommen Se das Kind noch hier.“ Aufregung sollte es in meinem Leben schließlich noch genug geben.

Meine Kindheit und Schulzeit verlief, wenn man so will, ganz nach Plan. Meine Eltern legten großen Wert darauf, meinen älteren Bruder und mich zu fleißigen, strebsamen und höflichen Jungen zu erziehen. Da Jugendliche im Allgemeinen andere Prioritäten haben, durfte ich oft genug den liebevollen Spitznamen „Streber“ tragen und schätzte schnell den Wert weniger echter Freundschaften. Was das wirklich bedeutet, sollte ich später noch lernen.

Auch in der Ausbildung zum KFZ-Schlosser wurde ich den Streber-Titel nicht ganz los. Machte es mir doch schon immer Spaß, technische Zusammenhänge zu begreifen, Lösungen zu suchen und logisch zu denken. Mein vorgezogener Abschluss auf Grund guter Leistungen und verschiedene Auszeichnungen trugen auch nicht gerade zum Bad-Boy-Image bei.

Zu meinem großen Glück lernte ich kurz vor meinem 18. Geburtstag eine Frau kennen, der das herzlich egal war und die von diesem Zeitpunkt an der wichtigste Anker in meinem Leben werden sollte. Dass sie später meine Ehefrau, Geschäftspartnerin und die Mutter meiner beiden Kinder werden sollte, wagte ich damals noch gar nicht zu hoffen.

Vom Sohn des Chefs zum unabhängigen Unternehmer

Nach meiner Ausbildung absolvierte ich ein kurzes Praktikum im Autoreparaturwerk in Görlitz und übernahm danach mechanische Arbeiten im Karosseriebaubetrieb meines Vaters, nach der Wende sogar die Werkstattleitung. Nachdem mein Vater in Görlitz ein Autohaus eröffnete, wurde ich in Niesky Fillialleiter. An den Wochenenden besuchte ich die Meisterschule und durfte mit 23 Jahren meinen Meisterbrief in der Hand halten.

Leider hatte mein Vater 1989 unsere Familie verlassen. Ich musste schnell feststellen, dass ich nicht weiter als Fillialleiter für ihn arbeiten konnte. Die einen sagen, weil unsere Charaktere sich zu ähnlich waren, die anderen behaupten das genaue Gegenteil. Damals musste ich mich also entscheiden, in die weite Welt zu gehen, oder in eine eigene Existenz zu investieren. Die Entscheidung fiel mir leicht, denn meine zukünftige Frau, meine Mutter und meine Freunde hatten in Niesky ihren Lebensmittelpunkt. Da meine Tochter zu diesem Zeitpunkt auch bereits unterwegs war, entschloss ich mich in Niesky mein eigenes Autohaus zu bauen.

Diese Entscheidung war damals gut und richtig. Daran gibt es nichts zu bereuen. Zum damaligen Zeitpunkt wusste niemand, dass sich die erwarteten blühenden Landschaften bald in öde Steppen verwandeln würden. Die Aussichten waren rosig und ich freute mich über gute Geschäfte, engagierte mich regional in Vereinen und Kultur. Doch statt dem erwarteten stabilen Wirtschaftswachstum kam der Wirtschaftsrückgang und mit ihm das Massensterben der Autohäuser im deutsch-polnischen Randgebiet. Während sich unser privates Glück 2002 mit der Geburt meines Sohnes verdoppelte, sah es geschäftlich anders aus.

Eine wertvolle Lektion

Was macht ein Unternehmer, wenn er merkt, dass es so nicht weitergehen kann? Er sucht nach Lösungen. Ich vereinbarte also mit der Sparkasse in Niesky ein zum Markt passendes Finanzierungskonzept. Leider ging es der Sparkasse nicht besser als mir und sie fusionierte mit der Kreissparkasse Löbau-Zittau. Plötzlich kannte man mich nicht mehr, sah nur noch die wirtschaftlichen Probleme und beschloss eine Abwicklung.

Während ich bis zu meinem 35. Lebensjahr fest davon überzeugt war, dass Fleiß, Intelligenz und Logik die entscheidenden Faktoren für Erfolg sind, musste ich in den kommenden zwei Jahren lernen, dass die Welt doch etwas anders tickt. Für meine Firma wurden viele Konzepte erstellt, die sich letztlich nur als Verkaufsbroschüre bei meinen Wettbewerbern wiederfanden. Leute, die in Zeiten meines Erfolgs schulterklopfend neben mir standen, wandten sich von mir ab. Andere, die bisher nicht als besondere Freunde aufgetreten waren, halfen mir und rieten mir zum Durchhalten. Diese Lektion über den Unterschied zwischen Anerkennung und Unterstützung werde ich nie vergessen.

Drei ganz wesentliche Erkenntnisse konnte ich aus dieser Zeit mitnehmen: Wie wertvoll es ist, sich auf wirkliche Freunde und seine Mutter, Frau und Kinder verlassen zu können. Und dass man allen Menschen mit Freundlichkeit begegnen sollte, man aber kämpfen muss, wenn andere diese Freundlichkeit als Schwäche ausnutzen wollen. Letztlich auch, dass man nicht immer auf „gut gemeinte“ Ratschläge hören sollte, sondern das tun muss, was für einen selbst richtig ist – auch wenn es nicht immer breite Zustimmung findet.

Durchhalten, Durchhalten, Durchhalten

Von einem exzellenten Steuerberater durfte ich schließlich lernen, wie Banken wirklich ticken und dass ich nicht auf eine einvernehmliche Lösung mit der Sparkasse hoffen durfte. Also haben meine Frau und ich eine Alternative geschaffen: In Weißwasser haben wir mit privatem Geld ein kleines Objekt gekauft. Autohäuser waren ja damals günstig… Und wenn nichts mehr gegangen wäre: Ein kleiner Handel mit ein oder zwei Schlossern geht immer.

Als mir die Sparkasse dann eröffnet hat, dass sie eine Umstellung der Finanzierung verweigert, gab es – rein zufällig – bereits einen Käufer für meine Immobilie in Niesky. Herr Budi, bereits Besitzer des ehemaligen Autohauses meines Vaters, machte mir ein Angebot. Erstaunlicherweise war er genauestens informiert. Wer damals hinter meinem Rücken mit wem gemauschelt hat, spielt heute keine Rolle mehr.

Damals hätte ich fast aufgegeben, wäre nach Weißwasser verschwunden. Aber zum Glück fragte mich eben jener Steuerberater damals: „Warum willst du in Niesky aufgeben, wenn hier doch deine Kunden sind?“ Und durch einen Zufall gab es damals ein Objekt ganz in der Nähe, das schon länger leer stand. Schnell einigte ich mich mit dem Verwalter und wir verlegten den Sitz der neuen Firma 200 Meter vor den der alten.

Auch wenn ich die Jahre 2004 bis 2007 meiner Familie kein zweites Mal zumuten möchte, waren sie für mich selbst doch unschätzbar wertvoll. Ich lernte in dieser Zeit mehr über Menschen als in den 35 Lebensjahren davor. Ich lernte, dass nicht jeder, der sich groß aufspielt auch mächtig ist. Ich lernte, dass es leider meistens nicht die Netten sind, die am Ende gewinnen. Aber dass Intelligenz, Arbeit und Durchhaltevermögen gepaart mit dem richtigen Maß an Sturheit zum Erfolg führen können.

Neue Einstellung, neues Glück

In den Folgejahren bauten wir unsere neue Firma nach unseren eigenen Vorstellungen auf. Wir sind heute wieder DER Ford-Betrieb in Niesky, mit Kunden in ganz Deutschland und Europa. Seitdem können wir auch schlechte Zeiten wirtschaftlich profitabel meistern.

Der ständig wachsende Unterschied zwischen politischem Anspruch und Realität in unserer Region hat mich veranlasst, erneut den Rücken gerade zu machen und für das einzutreten, was ich richtig finde. Ich habe heute keine Bauchschmerzen mehr damit, wenn Wichtigtuer mir sagen wollen, was richtig für mich ist. Für mich gilt heute mehr denn je: selber denken, selber machen. Und dank meines wirtschaftlichen Hintergrunds und den Menschen, die damals wie heute zu mir halten, habe ich auch keine Angst vor schwierigen Aufgaben.

Ich trete zur Landratswahl an, um zu gewinnen, aber auch um am Ende sagen zu können: Ich habe für das Richtige gekämpft und nicht aufgegeben.

Sylvio Arndt vor seinem Autohaus in Niesky